Wasser

Das Augsburger Wasser – Ein Paar mit getrennten Betten

Augsburger Wasser
Augsburg, das auch gern wegen seiner vielen Bäche und Kanäle als das Venedig Bayerns bezeichnet wird, hat eine weitere Besonderheit: 2 dieser Wasserläufe teilten sich früher ein Kanalbett. Im Abschnitt vor dem Roten Tor und auf dem Aquädukt am Roten Tor (heute direkt hinter der Freilichtbühne) flossen der Lochbach und der Brunnenbach gemeinsam, waren aber nicht vereinigt, sondern durch eine hölzerne Scheidewand voneinander getrennt – also ein Paar mit getrennten Betten.

Augsburger Wasser

Auf den ersten 2 Fotos ist das Aquädukt am Roten Tor sowohl von außen als auch im Innern zu sehen. Im 2. Bild ist gut die Halterung für die frühere Trennwand zu erkennen. Auf dem 3. Foto sind 2 der Wassertürme abgebildet.

Augsburger Wasser

Beide Bäche wurden über 4 Jahrhunderte – nämlich von 1416 bis 1879 – für die Wasserversorgung der höher gelegenen Stadtteile von Augsburg benötigt. Das nicht trinkbare Lechwasser des Lochbachs trieb dabei eine Pumpenanlage an, die das Trinkwasser des Brunnenbachs auf 3 Wassertürme hochpumpte.

Von den Wassertürmen aus lief dann das Trinkwasser über Rohre zu den Augsburger Stadtbrunnen und einigen angeschlossenen Gebäuden.

Über diese Einrichtung freuen durften sich die Patrizier, der Bischof und ein paar hundert begüterte Augsburger, die auf der hochwassersicheren Ebene über den Lechauen wohnten. Für sie musste das Trinkwasser 25 Meter weit aufwärts befördert werden. Die weniger Betuchten dagegen mussten Wasser aus öffentlichen Brunnen schöpfen oder aus den nicht sehr reinen Tiefbrunnen hochziehen und nach Hause schleppen. Augsburger Wasser

 

Alles in allem war der Brunnenbach einst der wichtigste Augsburger Quellbach; er versorgte die Reichsstadt mit bestem Trinkwasser. Seine damalige Bedeutung demonstrieren am Rathausplatz die vier Wassergottheiten auf dem Beckenrand des Augustusbrunnens. Sie stellen symbolisch nicht nur die Flüsse Lech, Wertach und Singold dar, sondern als Quellnymphe auch den Brunnenbach. Augsburger Wasser

 

Übrigens befand sich die Quelle des Brunnenbachs früher nur wenige Meter nördlich des heutigen Wanderparkplatzes am Ende der Bachstraße von Königsbrunn, an dem wir auf unserer Rundwanderung vorbeigehen. Der Brunnenbachstein an dieser Quelle verwies seit dem Jahr 1603 auf das Kloster St. Ulrich und Afra als Wasserrechtsinhaber. Diese südlichste Quelle ist bereits 1627 wieder versiegt. Eine Kopie des Steines befindet sich aber heute noch dort.

Augsburger Wasser

Der Lochbach war bereits im Mittelalter ein kanalisierter Nebenarm des Lechs, der das verzweigte Kanalnetz Augsburgs mit Gebrauchswasser versorgte. Sein Wasser diente zum Antrieb von Wasserrädern, als Brauchwasser für die Färberei und Gerberei und nicht zuletzt der Abfall- und Abwasserentsorgung. Heute wird der Lochbach an der Lechstaustufe 22 bei Unterbergen vom Lech ausgeleitet, dem sogenannten Lochbachanstich. Wir kreuzen auf unserem Rundweg gleich 2mal den Lochbach, einmal direkt am Lochbachanstich.

 

 

Ein Ausflug in die neuere Geschichte der Region sei erlaubt. Als Neuzugezogener, auf bayerisch „Zuagroaster“ oder in Augsburger Mundart „Raigschmeggda“, war ich erstaunt, dass weite Gebiete westlich des Lechs zu Orten östlich des Flusses gehören. Früher gehörte gar der kleinste Augsburger Stadtteil, nämlich „Siebenbrunn“, unter dem Namen Meringerau zum Königreich Bayern und war von der Freien Reichsstadt Augsburg durch eine Staatsgrenze getrennt. Erst im Jahr 1910 wurde Meringerau als Stadtteil Siebenbrunn nach Augsburg eingemeindet.

Und der Bajuware „Mandicho“ aus dem 6. Jahrhundert war nicht nur der Namensgeber für den See der Staustufe 23, sondern auch für den Ort Merching. Der Lochbachanstich gehört heute immer noch zur Gemeinde Schmiechen und der Auensee zu Prittriching und damit zum Landkreis Landsberg.

Und just an diesem Lochbachanstich, der nun Mal zur Gemeinde Schmiechen gehört, gab es bis Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine schöne Ausflugsgaststätte. Der Wirt hatte sich in den siebziger Jahren einen tollen Werbegag einfallen lassen. Er stellte ein Ortsschild mit Aufschrift „Königsbrunn I“ an den Eingang seines Ausflugslokals und das brachte Schlagzeilen in Königsbrunn und Umgebung. Er wurde allseits „Der Rebellenwirt“ genannt. Nun, was wohl als Faschingsscherz begann, endete schließlich sogar beim Minister in München. Und er musste widerwillig das Schild entfernen und seinen Briefkopf ändern.

Leider gibt es das Lokal nicht mehr – wie so viele in unserer Region.

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